
deep blue notes
alte bilder und neue musik
mit Dagmar Täube und Bernd Thiele
Unter diesem Titel rücken große Werke der Kunstgeschichte auf neue Weise in den Fokus. Was können uns die ausgewählten Bilder über die Menschen erzählen, die sie gemacht haben und über diejenigen, die zu dieser Zeit gelebt haben? Was ist geblieben, was hat sich verändert? Und wie können wir uns den Werken auf sinnliche und zugleich informative Art und Weise nähern?
Der Musiker und Komponist Bernd Thiele und die Kunsthistorikerin Dagmar Täube begeben sich auf die gemeinsame Suche nach Antworten zu diesen Fragen. Daraus ist ein interdisziplinäres Projekt entstanden, dass gleichermaßen anregend wie informativ und unterhaltsam ist.
Sie haben vier Gemälde durch die Jahrhunderte ausgewählt. Von ihnen hat sich Bernd Thiele zu neuen individuellen Kompositionen anregen lassen. Wichtig war für ihn, diese Bilder nicht als bloße Inspiration zu verstehen, sondern sich wirklich intensiv mit den Werken und ihrer Wirkung auseinander- und dies in Musik umzusetzen. Dabei hat er sich in der Kenntnis der jeweils zeitgenössischen Musik auch neue Sichtweisen zugestanden. So adaptiert er etwa angesichts des „Weltgerichts“ von Stefan Lochner das Motiv der „unanswered question“ von Charles Ives. Auf diese Weise sind zwei Klavier- und zwei elektronisch generierte Kompositionen entstanden, die durch drei Intermezzi für Klavier motivisch und klanglich verbunden werden.
Die Texte zu diesen Bildern setzen sich auf launige Weise mit ihren Hintergründen und ihren Schöpfern und Schöpferinnen auf der Höhe der neuesten Erkenntnisse auseinander. Dagmar Täube hat zugunsten einer spielerischen und freieren Art des Zugangs, bewusst auf den kunsthistorischen Vortrag verzichtet. So schreibt sie etwa einen Brief über ihre Zeit in Kanada zu dem Werk „By Air“ (2010) von Alice Teichert. Sie erzählt aus der Sicht der Magd über Rembrandts „Selbstbildnis“ von 1669 und verknüpft die „große Welle vor Kanagawa“ von Hokusai von 1831 mit Gedanken der WWF-Direktorin Heike Vesperand zum Zustand der Meere. Schließlich erlebt um 1430 eine Figur des Bildes selbst das „Weltgericht“ von Stefan Lochner. Auch, wenn nur vier Werke ausgewählt wurden, werden doch die große Spannweite der Entwicklung der Kunst und der unterschiedlichen Weltbilder deutlich.
Das gut einstündige Programm verspricht eine Facette aus dem überbordenden Kunstschaffen der Welt. Sie tritt in den Dialog mit neuen Kompositionen, in denen mit dem Wissen der Musik aus der jeweiligen Zeit neue Klangwelten erschaffen werden.
Die Bilder:
Alice Teichert (*1959),
By Air, 2010,
Acryl und Farbstifte auf Leinwand, New York, Privatbesitz

Katsushika Hokusai,
Die große Welle vor Kanagawa, 1830/32, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Weitere Bilder:
Rembrandt van Rijn, Selbstporträt,1668,
Köln, Wallraf-Richartz-Museum
Stefan Lochner, Weltgericht, um 1430, Köln, Wallraf-Richartz-Museum
Hörproben:
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Bernd Thiele: